Oh Gott!
Was muss der arme Mann herhalten! Nur weil die Katholische Kirche keine Ideen hat und die Fest- und Feiertage der Landbevölkerung in ihre eigenen verwandelt, muss sich der Bischof von Myra posthum zur Kasperlefigur für Kinder machen lassen. Dafür hat er ein zölibatisches Leben geführt und auf Ruhm und Glanz verzichtet.
Aber vielleicht gehört es zum Vertrag, den Personen mit der Katholischen Kirche schliessen, wenn sie in ihre Dienste treten, sich jederzeit zu jedem Zweck ver- oder misbrauchen zu lassen. Auch posthumus.
Andererseits wäre es schon nett von der Katholischen Führung, sich eigene Feiertag auszudenken. Aber scheinbar sieht der Vatikan dadurch seine Hegemoniebestrebungen gefährdet. Was, wenn es irgendwelche Feiertage ohne katholische Übertünchung gäbe? Kein Problem im Auge des Herrn, aber im Auge des Papstes?
Zur Kasperlefigur hat nicht die Kirche den Nikolaus gemacht, sondern CocaCola und Consorten, die alles was sie berühren entwerten. Das ist die Cocacolasierung der Welt, der Menschen und ihrer Beziehungen.
Viele Grüße!
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Was den CocaCola-Konzern angeht teile ich Deine grundsätzliche Meinung, in diesem Fall verwechselst Du aber etwas. CocaCola hat seinerzeit dem Weihnachtsmann den grünen Mantel gegen einen CocaCola-roten vertauscht (der christliche Nikolaus hatte wohl das gleiche Schicksal zu erdulden) aber sie haben diese Kasperei nicht erfunden. CocaCola tut es dem Vatikan gleich. Sie drücken existierendem Brauchtum ihren Stempel auf. Zur Geschichte des Nikolaus in der vorweihnachtlichen Kinderunterhaltung siehe auch: Nikolaus von Myra
Übrigens: USA-Geschäftsideen ins abendländische Brauchtum zu integrieren, dazu gehören immer zwei. Der eine ist eine Firma aus den USA und hat die Geschäftsidee…
Und noch eins zum Nachdenken: In Russland gibt es keinen Weihnachtsmann, sondern ‘Väterchen Frost’ und der kommt nicht am 24.12., sondern zu Silvester. Trotz knapp 50jähriger Besetzung Ostdeutschlands durch die Sowjetunion (machttechnisch gleichbedeutend mit der Besetzung durch Russland) konnte sich dieser Brauch nicht nach Ostdeutschland ausbreiten.
Nun, ich habe als Kind das ursprüngliche Brauchtum im kath. Rheinland noch erlebt und denke mit Wehmut an diese Erlebnisse zurück. Der Nikolaus in rot weißem Bischofsgewand – auf dem Dorf war das ein aus der Kirche geliehenes Meßgewand – in Begleitung des Hans Muff, wie der schwarze Knecht im Rheinland heißt. Dieser Hans Muff kam mit einer Kette an den Nikolaus gefesselt, gebärdete sich häufig recht toll und hat uns Kindern immer einen gehörigen Schrecken eingejagt, so daß wir uns in die Röcke der Mutter flüchteten. Der Nikolaus hielt uns dann unsere kleinen Unarten vor und lobte uns auch wegen guter Taten. An Gaben gab es nicht viel. Ein warmes Zimmer, kein Fernsehgedudel, und trotz aller Aufregung erinnere ich mich nicht an irgendeinen Stress.
Ich finde auch heute an diesem Brauchtum nichts kasperlehaftes, es ist für mich eine Stück verlorene Heimat.
Du hast Recht mit der Bemerkung, daß dabei immer zwei agieren müssen, also außer Cocacola auch noch der Adressat. Warum man in unseren Landen die Tradition gegen wertlosen Tand eintauschte, ist eine lange Geschichte, die wohl mit der Demontage des Religiösen begann. Aber das ist eine andere Geschichte. Daß das von den Kommunisten als Alternative zum orthodoxen Weihnachtsfest propagierte „Väterchen Frost“ eine aus deutscher Sicht sterile Todgeburt war, ist nicht verwunderlich, denke ich.
Viele Grüße
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Den Gegensatz zwischen cocacolaisierter Weihnacht und echter Weihnacht habe ich in einem Videoclip in http://zephyrsline.blogspot.com/
gesehen!